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Interview mit einer Gastfamilie aus Österreich/ Slowenien

von Julia auf Mar 01, 2021
Interview mit einer Gastfamilie aus Österreich/ Slowenien
Familie Paulin aus Österreich/Slowenien hatte bereits mehrere Au Pairs aus verschiedenen Ländern. Heute spricht die Mutter der Familie über ihre Erfahrungen und gibt einen Einblick in den Alltag mit einem Au Pair.

AuPair.com: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser Interview nehmen! Zum Einstieg möchten wir Ihnen ein paar Fragen zu Ihrer Familie stellen, damit unsere Leser eine bessere Vorstellung von Ihrer Situation haben. Wie viele Kinder haben Sie und wie alt sind sie?

Mrs. Paulin: Momentan sind es zwei kleine Buben, der Ältere ist knapp viereinhalb, der Jüngere wird bald zwei.

AuPair.com: Und warum haben Sie sich dafür entschieden, ein Au Pair aufzunehmen?

Mrs. Paulin: Ich arbeite schon von Anfang an mit Kindermädchen, für den Älteren hatte ich schon seit seiner Geburt zwei Nannies rekrutiert. Es ist so, dass die Fluktuationsrate bei dem Job relativ hoch ist. Da dachte ich mir, wieso nehme ich nicht ein Au Pair? Ich hatte auch schon mit Erasmusstudenten gearbeitet, die gratis wohnen wollten gegen Babysitting. Kurz bevor mein zweiter Sohn auf die Welt gekommen ist, dachte ich mir, jetzt rekrutiere ich vielleicht ein Au Pair, denn die sind ja immer relativ reisefreudig. Wir pendelten damals zwischen Österreich und Slowenien und das hätte ich mit Erasmusstudenten nicht durchziehen können. Die haben ja lokal ihre Universitätskurse, da dachte ich mir, gut, ich fange jetzt mit einem Au Pair an, und es hat auch super funktioniert.

AuPair.com: Hatten Sie spezielle Anforderungen an das Au Pair? Haben Sie zum Beispiel ausschließlich nach Au Pair Mädchen gesucht oder kamen auch Au Pair Jungen für Sie infrage?

Mrs. Paulin: Schon unter den Erasmusstudenten war ein Mann dabei, das war ein Grieche, ich hatte auch einige männliche Babysitter. Es ist natürlich ein Feld, das von Frauen dominiert wird, keine Frage, aber es gibt genug Männer, die das auch machen. Unter den Au Pairs ist der Erste als Mädchen zu uns gekommen und als Bursche von uns gegangen, das war alles von meiner Seite aus überhaupt kein Thema. Das einzige, was mir wichtig ist, ist dass sie alle in ihrer Muttersprache mit meinen Kindern sprechen, damit die Kinder eine weitere Sprache lernen. Das war die einzige Anforderung, und dann natürlich die klassischen Sachen, Kinder gerne mögen, praktisch sein, geduldig sein, solche Sachen. Aber das war es im Großen und Ganzen.

AuPair.com: Ist es Ihnen wichtig, dass Ihr Kind multilingual groß wird, ist das Ihre Motivation?

Mrs. Paulin: Absolut! Ich bin Diplomatin von Beruf, da weiß ich, wie wichtig Sprachen im Beruf sind. Je nachdem, wo man ist, wird eine Sprache häufiger gesprochen und dann wieder ein paar Monate nicht. Mein Älterer der spricht u.a. Japanisch, Griechisch, Ungarisch, Albanisch, Persisch, natürlich auf unterschiedlichen Niveaus. Der Kleine ist noch zu jung, um die Effekte zu sehen. Er verwendet zwar immer mal wieder Ausdrücke in anderen Sprachen, er plappert sie schön nach, aber da könnte ich jetzt natürlich nicht sagen, dass er schon eine andere Sprache spricht.

AuPair.com: Wie viele Au Pairs hatten Sie denn bisher schon?

Mrs. Paulin: Also “richtige” Au Pairs zwei, bei den Erasmusstudenten waren es drei bzw. vier, je nachdem, wie man zählt. Bis dahin waren es einfach Erasmuststudenten, die in die Stadt gekommen sind, günstig wohnen wollten.

AuPair.com: Und aus welchen Ländern kamen diese Leute?

Mrs. Paulin: Der erste war ein Grieche, dann hatten wir eine Slowakin, danach eine Deutsche und von den klassischen Au Pairs war es ein Franzose und eine Amerikanerin.

AuPair.com: War die Bewerbung für ein Visum für die Amerikanerin einfach?

Mrs. Paulin: Ja sehr, in Österreich war das überhaupt kein Problem. Da gibt es spezielle Au Pair Visen, Au Pair Verträge, und es ist wirklich zügig gelaufen. Ich glaube, ich hatte schon eine Woche später die Arbeitsgenehmigung, da mussten wir sie nur noch anmelden und eine Berechtigungskarte lösen, also etwa zwei Wochen insgesamt ungefähr.

AuPair.com: Wie bereiten Sie sich darauf vor, wenn ein neues Au Pair bei Ihnen ankommt? Haben Sie da eine bestimmte Routine?

Mrs. Paulin: Absolut, ich erkläre ihnen meisten schon per E-Mail, wie unser Tagesablauf funktioniert. Das Au Pair hat ja 18 Wochenstunden, das überlasse ich ihnen, wie sie die Wochenstunden akkumulieren wollen, sie müssen nicht die ganze Zeit zur Verfügung stehen. Das einzige, was ich mache ist, dass ich am Anfang ein bisschen dabei bin, erkläre, wie das mit dem Füttern funktioniert und dann noch das Windel wechseln, das ist das einzige, wo ich hin und wieder dabei sein muss, der Rest geht automatisch. Ich erkläre den Au Pairs, bis wann sie mit den Kindern draußen bleiben können, bis wann der Kleine schläft.

AuPair.com: Das klingt, als hätten Sie schon ganz viel Erfahrung als Gastfamilie. Wie lange dauert denn Ihre Suche so im Durchschnitt?

Mrs. Paulin: Bei der Ersten habe ich Mitte Dezember angefangen zu suchen, und sie hat im Jänner begonnen. Das waren also nur wenige Wochen. Sie wollte unbedingt nach Slowenien, und ich war mehr oder weniger die einzige Gastfamilie dort. Bei der anderen hatte ich glaube ich im Mai oder im Juni angefangen, und Ende Juni war sie auch da. Allerdings war es bei dem ersten Au Pair auch so, dass wir nicht einmal telefonisch in Kontakt waren, nur per E-Mail und dann war alles erledigt. Die andere ist vorher hergekommen für zwei Tage, hat sich unser Zuhause angesehen, hat sich auch das Zimmer angesehen, und hat dann auf dieser Basis entschieden, ob sie dann bleibt und  ist dann später wieder gekommen. Jetzt hingegen versuche ich, für Wien zu rekrutieren, und das gestaltet sich aufgrund der Corona-Umstände sehr schwierig. Ich hatte schon einige Interviews, es fällt aber im Prinzip eine Option nach der anderen ins Wasser, weil die Au Pairs nicht reisen können oder nicht wissen, ob sie reisen können. Hier dauert die Suche also definitiv schon länger, auch wenn man meinen möchte, dass es viel mehr Auswahl gäbe und es unkomplizierter sei, aber ganz offensichtlich ist es das nicht.

AuPair.com: Als der Au Pair Aufenthalt jeweils angefangen hat, wie haben Ihre Kinder darauf reagiert? Haben Sie das Au Pair direkt akzeptiert?

Mrs. Paulin: Ja, die sind an ständig wechselnde Babysitter gewöhnt. Es kann aber auch sehr risikoreich sein, wenn die Kinder die Person nicht akzeptieren, dann hat man ein Problem. Wenn man einen Babysitter lokal rekrutiert, können sie einfach vorbei kommen und wenn es irgendwie nicht passt, dann gehen sie wieder und alles ist gut. Bei der Amerikanerin, die mit dem Flugzeug kommt, kann man das schlecht einfach so abbrechen. Aber bei uns ging es problemlos in allen Fällen, das war insofern ein Glücksfall.  

AuPair.com: Höre ich da auch raus, dass Sie sich auch persönlich gut mit den Au Pairs verstanden haben?

Mrs. Paulin: Definitiv, sie sind auch wieder gekommen. Der Franzose wollte ursprünglich bis April bleiben, und er ist im Endeffekt bis Mitte August geblieben und ist auch diesen Sommer wieder gekommen. Und die Amerikanerin wollte ursprünglich nur für den Sommer bleiben, dann hat sie verlängert auf Februar, und am Ende ist sie dann geblieben bis Ende August. Da hat also definitiv gut funktioniert.

AuPair.com: Das klingt ja wirklich super! Kamen die Au Pairs mit dem Ziel, Deutsch zu lernen in Österreich oder wollten sie eher Slowenisch lernen?

Mrs. Paulin: Die meisten kamen mit der Intention, überhaupt in Slowenien sein zu wollen. Die Amerikanerin hat schon vorher Deutsch sprechen können, aber eher so mittelmäßig, und für sie war es schon ein extremer Progress bei uns. Die andere hat zum Beispiel auch hier Spanisch geübt.

AuPair.com: Sie haben Au Pairs und Erasmusstudenten aus so vielen unterschiedlichen Ländern aufgenommen. Gab es da auch mal Kulturschocks? Was für Erfahrungen haben Sie damit?

Mrs. Paulin: Für mich ist es ja weniger ein Problem. Es ist mein Job, ich bin ja ständig mit anderen Kulturen konfrontiert und Kulturschocks sind normal für mich. Die Kinder nehmen es auch als normal war, die kennen ja nichts anderes. Aber ich vermiete hier drei Zimmer, da kommt es schon mal zu Reibereien. Je näher die Kulturen, desto leichter ist es. Als die Amerikanerin angefangen hat, hatte ich eine Niederländerin und eine Deutsche hier wohnen, das verlief relativ reibungslos, weil es auch ähnliche Kulturen waren. Dann ist ein Japaner eingezogen, es ist mäßig gut gegangen, wahrscheinlich nur deshalb weil die Amerikanerin lange in Südkorea gelebt hat, und ein bisschen mit den asiatischen Kulturen bewandert war. Aber kurzum: Das war nicht berauschend.

AuPair.com: Gab es denn vielleicht gerade beim Essen einen gewissen Kulturschock? Wir hören häufig von Au Pairs, die erleben, dass die Gastfamilie ganz anders isst als sie selbst. Wie haben Sie das erlebt?

Mrs. Paulin: Bei uns ist das insofern gelöst, als dass der Franzose lokal eine Freundin hatte und meistens so viel Zeit wie möglich mit ihr verbracht hat. Der hat nur ein paar Mal mit uns gegessen, und das lief auch super, er wollte öfters selbst kochen, und die Amerikanerin hat von Anfang an klargestellt, dass sie auf keinen Fall mit uns essen will, weil sie eine Laktose- und Glutenunverträglichkeit hat. Alle unsere Au Pairs hatten eine eigene Küche für sich, und die wenigen Male, bei denen wir zusammen gegessen haben, habe ich darauf geschaut, dass wir Sachen kochen, die sie isst oder dass sie selber kocht und das hat gut funktioniert.

AuPair.com: Wenn Sie mit einer zukünftigen Gastfamilie reden würden, die das gerade zum ersten Mal plant und noch keinerlei Erfahrung hat, welche Ratschläge würden Sie dieser Gastfamilie geben?

Mrs. Paulin: Bei dem ersten Au Pair haben wir uns ja nicht einmal telefonisch kennengelernt, das war also relativ risikofreudig. Ich würde empfehlen, Kontakt aufzunehmen, zum Beispiel per Videotelefonie, und ein Bild von der Person zu bekommen. Es gibt viele, die ein Au Pair Jahr probieren wollen, weil sie einfach reisen wollen, und es sind glaube ich nicht alle geeignet für die Kinderbetreuung. Man sollte sich zumindest online anschauen, wie sich die Person präsentiert, wie sie sich kleidet, wie sie spricht, dass man sich vorher den Lebensstil anschaut, bevor das Au Pair wirklich kommt. Man sollte sich vielleicht erst einmal beschnuppert, bevor man anfängt.

AuPair.com: Unsere abschließende Frage: Würden Sie noch einmal ein Au Pair bei sich aufnehmen?

Mrs. Paulin: Absolut! Das ist eine tolle Form der Kinderbetreuung, auch in kultureller Hinsicht.

AuPair.com: Wir danken Ihnen vielmals für das Interview!

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