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Bevor ich zu meiner Gastfamilie kam, wusste ich gar nicht genau, was mich erwartet. Ich hatte keine konkrete Vorstellung davon, was ich eigentlich machen sollte. Zum Glück hat sich das ganz schnell gelegt, denn Lily, meine Gastmutter, ist sehr, sehr offen für Kommunikation. Sie hört wirklich zu, auch wenn man in manchen Sachen, was die Kinder betrifft, nicht ihrer Meinung ist. Sie ist nicht offended, sondern wertschätzt das eher. Außerdem legt sie sehr, sehr viel Wert auf die Bildung ihrer Kinder. Allgemein hat Lily es mir echt leicht gemacht, mich wohlzufühlen. Und wenn irgendwelche Probleme im Laufe der Zeit aufgetreten sind konnten sie oder ich das auch ganz leicht ansprechen ohne dass sich der andere angegriffen gefühlt hat.
Wenn Shaun (der Papa) am Wochenende da war, wurde immer irgendwas unternommen. Sei es Freizeitpark, in die Stadt gehen oder Trampolinpark. Am Wochenende wird so gut wie immer etwas gemacht. Mit ihm kann man sich auch echt gut über fast alles unterhalten. Es macht allgemein sehr viel Spaß, sich mit den Eltern zu unterhalten.
Die Kinder sind echt aktiv, lieben es, rauszugehen, und vor allem zu toben. Haley liebt Gymnastik und ist die ganze Zeit am Handstand üben. Mir gegenüber war sie immer recht anhänglich, was für mich persönlich kein Problem war. Aber wenn es zu weit ging, war Lily meistens da und hat sie zurückgepfiffen. Das Problem (was eigenltich nicht wirklich ein Problem ist) bei Haley ist, dass sie echt früh gemerkt hat, dass sie einen freien Willen hat. Das Kind macht ohne Spaß einfach, was sie will, und hört teilweise nicht. Das kann recht anstrengend sein, deswegen braucht man eine Menge Geduld und muss sein Ego auch mal zurückstecken können. Kritik nimmt sie teilweise echt persönlich und wird richtig sauer, aber sie ist halt auch noch ein Kind. Sie ist richtig schlau, und wenn man mit ihr lernt, macht es echt Spaß, weil sie vieles direkt versteht (solange sie sich nicht aufführt, als wäre Lernen das Schlimmste auf der Welt). Sie ist auch lieb und kann Menschen relativ gut lesen, auch wenn sie teilweise keine Ahnung hat, wie sie mit dieser Information umgehen soll. Und das Kind ist maximal lustig. Mit ihr habe ich echt viel Spaß.
Mit Jasmin, der Größeren, aber natürlich auch. Man kann sich sehr gut mit Jasmin unterhalten, einfach weil sie schon mehr versteht. Anfangs war sie recht introvertiert, aber wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat, kann sie mindestens genauso anhänglich werden wie Haley. Das hat sich für mich eher wie ein Gewinn angefühlt, weil ich wusste, dass ich irgendwas richtig machen muss, wenn sie sich mir so anvertrauen kann. Jasmin ist auch wirklich schlau, nur will sie ihr Gehirn ums Verrecken nicht benutzen, deswegen muss man ihr die Antworten oft aus der Nase ziehen. Was in Mathe am besten klappt, ist einfach rauszugehen und sie ihr Ding machen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass sie nicht in die Lösung schaut. Mit ihr kann man richtig gut Brettspiele spielen, vor allem weil sie unbedingt gegen dich gewinnen will. Und das Gute ist: Du musst sie nicht gewinnen lassen, denn sie ist nicht beleidigt – das treibt sie nur noch mehr an. Wenn sie dann gewinnt, ist das sehr gut für ihr Ego. Zurzeit ist sie auch echt aufnahmefähig und fängt an Verhaltensweisen von einem zu kopieren deswegen muss man da ein wenig vorsichtig sein.
Das sprachliche Umfeld war perfekt, weil die Kinder und die Mama Chinesisch geredet haben, aber in einer Geschwindigkeit und auf einem Level, wo man das auch mit HSK 1 verstehen kann.
Alles in allem habe ich die Kinder und die ganze Familie echt ins Herz geschlossen. Ich werde sie sehr vermissen.