au pair

Au Pair Programm und Religion: Alles über Fitris Erfahrung

von Genesis Rivas
Au Pair Programm und Religion: Alles über Fitris Erfahrung
Du weißt wahrscheinlich schon, dass eines der Hauptziele des Au Pair Programms die Förderung des sprachlichen und kulturellen Austauschs zwischen den beiden beteiligten Parteien ist. Obwohl das Thema Kulturaustausch sehr spannend klingt, kann es in der Praxis etwas komplizierter sein, als es scheint. Vor allem, wenn es um Aspekte wie religiöse Überzeugungen geht. 
 
Religion kann die Traditionen, die Ernährung, die Gemeinschaft und die moralischen Werte vieler Menschen bestimmen. Sie kann sogar der bedeutendste Filter sein, durch den sie die Welt verstehen. Unabhängig davon, wie wichtig Religion für dich ist, solltest du unbedingt ein Gefühl für Toleranz, Respekt und Verständnis für andere Glaubenssysteme mitbringen, wenn du ein Au Pair wirst. 
 
Bist du ein wenig besorgt, dass deine religiöse Ausrichtung zu Konflikten mit deiner Gastfamilie führen könnte? Mach dir keine Sorgen. Wir haben ein interessantes Interview mit Fitri geführt, einem Au Pair aus Indonesien, das bei zwei Gastfamilien in Europa gearbeitet hat. Informiere dich in diesem Artikel über ihre Erfahrungen.

1. Könntest du ein wenig über dein Heimatland, deine Kultur und die dortige Bedeutung von Religion erzählen? 

Ich komme aus Indonesien, wo es viele Kulturen gibt, da wir viele Inseln und verschiedene ethnische Gruppierungen  haben. Außerdem gibt es sechs offizielle, von der Regierung anerkannte Religionen - Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Über 200 Millionen Menschen (86,7 % der Bevölkerung) sind Muslime in Indonesien. In dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, ist Religion sehr wichtig. Muslime gehen oft in die Moschee, die meisten von ihnen sind Männer, aber sie sind auch für Frauen offen. Einige Frauen tragen den Hijab. Junge Kinder gehen in die islamische Schule, um die Grundlagen des Islams und das Lesen der arabischen Sprache zu erlernen, damit sie dann das Lesen des Korans sowie das Gebet verrichten können. Das war bei mir auch der Fall, als ich jünger war. 

2. War das Thema Religion bei den ersten Gesprächen mit deiner Gastfamilie ein Thema, das du unbedingt besprechen wolltest? Praktiziert die Familie irgendeine Religion?

Da ich eine Muslima bin, habe ich mit meinen Gastfamilien in Belgien und Deutschland von Anfang an viel über meine Religion gesprochen. Sie sind auch Muslime, aber sie praktizieren die Religion nicht so wie ich. Daher war es wichtig für mich, ihnen mitzuteilen, dass es für mich unerlässlich ist, den Hidschab zu tragen, zu beten und zu fasten. Ich habe auch schon als Babysitterin bei nicht-muslimischen Eltern gearbeitet, aber sie waren sehr aufgeschlossen und ließen mich meine Traditionen ausüben, solange es meine Arbeit nicht beeinträchtigte. Auf Bali habe ich als Babysitterin für italienische und russische Familien gearbeitet und durfte sogar mit den Kindern beten (für sie war es interessant mich dabei zu beobachten). Manchmal kümmerten sich die Eltern 10 Minuten lang um die Kinder, damit ich mich auf mein Gebet konzentrieren konnte. Ich bin flexibel und bisher waren die Kinder immer sehr nett. Jetzt mache ich eine Ausbildung in Deutschland und arbeite mit Kollegen zusammen, die keine Muslime sind. Trotzdem sind sie alle sehr nett und einer von ihnen erinnert mich sogar manchmal daran, zu beten. Mein Chef erlaubt mir, am Arbeitsplatz zu beten. 

3. Welcher kulturell-religiöse Aspekt hat dich während deines Au Pair Aufenthaltes am meisten herausgefordert? 

Der kulturell-religiöse Aspekt, der mich am meisten herausgefordert hat, war das Fasten während des Ramadan. Ich habe mich hier wirklich einsam gefühlt, denn in meinem Land habe ich immer zusammen mit meiner Familie und mit Freunden gefastet und gefeiert. 

4. Wie bist du mit den religiösen Unterschieden umgegangen, war es kompliziert, oder ist alles reibungslos verlaufen?

Für mich war es nicht wirklich kompliziert, da ich von vornherein ehrlich zu den Familien war, so dass sie mich verstehen konnten. Aber was das Beten anging, musste ich mir die Zeit dafür gut einteilen, denn ich bete fünfmal am Tag. 

5. Hat dir die Gastfamilie die Möglichkeit gegeben, deinen Glauben und deine Traditionen zu leben? 

Meine Gastfamilien und Arbeitgeber sind aufgeschlossen und locker, so dass ich keine Probleme mit ihnen hatte.

6. Hat die Au Pair Erfahrung deinen Glauben verändert? 

Nein, die Erfahrung hat meinen Glauben überhaupt nicht verändert. 

7. Hast du einen Rat für Au Pairs, die wie du, mit religiösen Unterschieden konfrontiert werden, wenn sie in ihrer Gastfamilie leben?

Ich möchte den Au Pairs, die sich Sorgen machen, raten, in sich zu gehen und nicht in Panik zu geraten. Erzählt der Gastfamilie von eurer Religion, euren Traditionen und Praktiken, sodass ihr Missverständnisse vermeiden könnt. Wenn es kulturell offene Gastfamilien sind, werden sie euch akzeptieren, ganz unabhängig davon, welche Religion ihr ausübt. 

 
Wir freuen uns, dass Fitri ein Umfeld gefunden hat, das Freiheit und Toleranz vermittelt, sowohl bei ihren Gastfamilien als auch bei ihrem neuen Arbeitgeber.
 
Im Folgenden findet ihr ein paar Tipps zum Thema Au Pair und Religion:
  1. Wir haben Filter, die die Religion und die religiösen Praktiken eines jeden Nutzers auf unserer Plattform anzeigen. Überprüfe diese, bevor du eine Familie als deinen Favoriten hinzufügst. 
  2. Plane mindestens 3 Videogespräche mit der Gastfamilie, bevor du dich für oder gegen eine Zusammenarbeit mit ihr entscheidest. Nutze diese Anrufe, um über Themen wie deine Ernährung, Arbeitszeiten, Gehalt, Freizeit und Traditionen zu sprechen. 
  3.  Die Förderung eines kulturellen Austauschs bedeutet nicht, dass du komplett neue Überzeugungen annehmen musst, oder vorgibst, deinen Glauben anzupassen. Nutze diese Erfahrung, um mehr über andere Kulturen zu erfahren, aber fühle dich nicht gezwungen, deine Werte oder Praktiken zu ändern.
  4. Das Gleiche gilt auch umgekehrt. Versuche auf keinen Fall, die Gasteltern oder -kinder davon zu überzeugen, deine Religion auszuüben. Du kannst ihnen deine Bräuche zeigen, aber versuche nicht, sie ihnen aufzudrängen. Es ist wichtig, dass du mit den Eltern besprichst, welche Art von Traditionen du den Kindern näher bringen kannst. 
  5. Und schließlich: Sei aufgeschlossen. Die Welt ist ein wunderbarer und vielfältiger Ort, und als Au Pair geht es darum, neue Dinge zu entdecken. Wenn du etwas über die Kultur anderer Menschen lernst, bedeutet das nicht unbedingt, dass du deine eigene änderst oder verstecken musst. Ganz im Gegenteil. Mache das Programm zu einem Ort des Austauschs und des gegenseitigen Respekts. 
Hast du Erfahrugen oder Tipps zu diesem Thema? Lasse es uns gerne in den Kommentaren wissen!

5 Tipps für einen Umzug ins Auslandvon Alvaro Galvez Loyola am 17 May, 2023Lesen Sie mehr »
Beste Länder für LGBTQ+-Gemeinschaftvon Alice am 07 Jun, 2023Lesen Sie mehr »
Gedanken...
Schreiben Sie eine Antwort:
Schließen Sie sich unserer Plattform an
AuPair.com ist sozial unterwegs - besuchen Sie uns in den Sozialen Medien, schließen Sie sich unserer Platform an und erhalten Sie die neuesten Updates der Au Pair-Welt
Schließen Sie sich uns an!
Freuen Sie sich darauf, Teil des Au Pair-Programms zu werden? AuPair.com hilft Ihnen, Ihr zukünftiges Au Pair/ Ihre zukünftige Gastfamilie zu finden.
Melden Sie sich an und erfahren Sie, wie wir Ihnen helfen können:
Als Au Pair anmelden Als Familie anmelden